Das Thema «Datensicherung» betrifft eigentlich jeden. Denn es braucht nicht viel, bis alle Daten aus Versehen gelöscht werden oder die Festplatte kaputt geht. Oder auch Diebstahl kann für Daten gefährlich werden. Seit ich aber ein MacBook habe – also schon seit vielen Jahren – ist das kein primäres Thema mehr für mich. Denn die «Time Machine» sichert meine Daten zuverlässig und besonders einfach.
Nun habe ich seit einigen Monaten aber auch noch einen Windows-PC zuhause. Darum habe ich mit besonderer Aufmerksamkeit die Beurteilungen von Stiftung Warentest gelesen, der sich mit diesem Thema befasst hat. Normalerweise habe ich von deren Testergebnissen eine hohe Meinung. Doch dieser Test ist für einmal leider kaum zu gebrauchen. Also musste ich selber testen.
Unfaire Spielchen

Die Branche «Datensicherung» hat nämlich ein Problem. Da es sich ja um ein Thema handelt, das (eigentlich) jeden betrifft, ist die Zielgruppe auch ziemlich gross. Also viel Potential um im Internet mal wieder unfaire Spielchen zu spielen.
Eines davon ist die Preisgestaltung. Früher konnte man in der Regel eine Software kaufen und sie dann unbegrenzt benutzen. Heute sind oft Abonnements anzutreffen. Für viel Geld bekommt man also sein gewünschtes Produkt, doch man bezahlt nicht mehr einmalig, sondern jährlich. Bei anderen Programmen teils auch monatlich. Da wird natürlich mit Sonderfunktionen gelockt, aber primär damit, dass die Software natürlich immer auf dem neusten Stand bleibt.
Nun muss man aber wissen, dass diese Angebote oft nur mittelmässig seriös sind. In einem anderen Bericht habe ich schon erzählt, dass beispielsweise die angepriesenen «Geld-Zurück-Garantien» nicht ernst zu nehmen sind. Die Preise sind in Anbetracht der jährlichen Wiederholung viel zu hoch. Es handelt sich bei den meisten Anbietern auch nicht um grosse Konzerne, sondern um kleinere Hersteller, die ihre Konzepte über Nacht einfach ändern könnten.
Ein weiterer Trick sind Sonderrabatte, die entweder exakt 24 Stunden lang gültig sind. Manchmal auch nur zwei Stunden, oder eine. Oder aber es ist von «Frühlings-Sale» die Rede, von Weihnachtsrabatt oder von anderen Rabatten, die an zahlreiche Feiertage gebunden sind oder sich nach einer Saison richten. Bedeutet kurz gesagt: Das ganze Jahr über gibt es Rabatt. Da ein potentieller Kunde aber nur einmalig nach so einer Software sucht, weiss der das natürlich nicht und denkt sich, es handle sich jetzt um ein Schnäppchen.
Das sind zumindest die Tricks, die ich kenne. Möglich ist im Internet bestimmt noch mehr.
Übrigens: Wer sich eine Software kaufen will kann versuchen, die Testversion zu nutzen und dann wieder zu deinstallieren. Manche Anbieter zeigen dann einen Rabattcode, der bis zu 50% oder 70% hoch sein kann.
Der «Testsieger»…
…fällt leider schon raus, bevor ich ihn überhaupt herunterladen konnte. Denn «Acronis True Image» ist nur gegen jährliche Bezahlung von sagenhaften 50€ zu haben. Wer besonders viel Geld zu viel hat, kann sogar jährlich 125€ investieren. Stiftung Warentest spricht auch von einem Einmalkauf. Diesen konnte ich aber nirgendwo finden.
Kostenlos und unbrauchbar
Drei kostenlose Programme wurden von Stiftung Warentest mit «gut» bewertet. Auf Platz zwei ist sogar schon eines der Kostenlosen. In meinem Test sind diese aber alle durchgefallen. Warum? Wegen der bootfähigen Medien. Einem normalen Anwender ist wohl gar nicht bewusst, dass ein sogenanntes «Rettunsgmedium» unabdingbar ist, wenn einmal das komplette System nicht mehr funktioniert, das Notebook gestohlen wurde oder der Computer kaputt geht. Denn mit einem Rettungsmedium – in der Regel ein USB-Stick – stellt man sein komplettes System wieder her, wenn man es vorher gesichert hat.
Zwar bieten fast alle Backup-Anbieter solche Rettungs-Medien an, doch bei kaum einem funktioniert das auch. Bei allen drei kostenlosen Anbietern ist das Erstellen eines Rettungsmediums fehlgeschlagen. Das sind «Paragon Backup & Recovery», «Aomei Backupper» und «EaseUS Todo Backup».
Bedienung nur für versierte
Immerhin wies Paragon darauf hin, dass ein Rettungs-Medium wichtig ist. Aber der Weg dort hin ist steinig, denn man wird mit Begriffen konfrontiert, die man als Laie definitiv nicht kennen kann. Hier fehlen jegliche Erklärungen. Etwa zum Unterschied von Legacy und UEFI, den ich zwar kenne, aber auch nur deswegen, weil ich mich mit dem Bootverhalten von Computern einmal intensiv auseinandergesetzt habe. Ich musste auch wissen, was der Unterschied zwischen einer GPT oder MBR-Partition ist, zumal man das unter Windows gar nicht definieren kann und die Software das eigentlich selbstständig ändern können müsste. Ausserdem ist das Starten eines Computers mit einem USB-Stick oder einer CD mit Hürden verbunden, die man ggf. kennen muss. Kein Programm informiert darüber. Da muss ich den Kopf schütteln.
Dazu kommt, dass keines der Programme darüber informiert, wie viel Speicherplatz auf dem USB-Stick benötigt wird.
EaseUS mit Linux-Alternative
Die Software Todo Backup bietet immerhin die Möglichkeit, sein Rettungsmedium mit Linux zu realisieren. Auch hier werden viele nicht wissen, was das bedeutet. Aber ich dachte mir: Linux ist in der Nahrungskette der Zuverlässigkeit ja höher als Windows – und tatsächlich startet nun endlich ein Rettungsmedium. Allerdings hat dieses die externe Festplatte nicht erkannt. Somit ist auch diese Lösung unbrauchbar.
NovaBackUp
Erst hatte die Website und Installation sehr gut ausgesehen. Aber am Ende doch die Enttäuschung: Gemäss Stiftung Warentest soll hier das Erstellen eines Rettungsmediums möglich sein. Leider ist das nicht so. Jedoch scheint die Preisgestaltung hier sehr fair zu sein.
Ashampoo Backup
Die Software von Ashampoo hat erst einmal grosse Hoffnung gemacht. Denn das Rettungsmedium funktioniert und die damit verbundenen Funktionen sind sehr gut; Neben einem lokalen Backup auf einer externen Festplatte könnte man auch ein Backup von einer Cloud wiederherstellen – etwa OneDrive. Auch die Preisgestaltung schien fair. Leider aber funktioniert das Backup nicht korrekt. Sogenannt «inkrementelle» Backups sollte die Software zwar können, doch es werden immer wieder volle Backups angelegt, die mehrere Stunden dauern. Strom nur für Backups ausgeben will ich dann doch auch nicht.
Ashampoo bestätigt dann tatsächlich, dass das auch so gewollt ist:
Ashampoo Backup verwendet für Image-Backup ein anderes Prinzip: umgekehrt-inkrementelle Sicherung („reverse incremental“). Dabei wird zunächst ein Voll-Backup erstellt. Bei der nächsten Sicherung werden die Daten des Voll-Backups komplett in das neue Backup verschoben und die alte Sicherung wird durch eine inkrementelle Version ersetzt. Die alte Sicherung enthält dann nur die Unterschiede zur nachfolgenden Sicherung.
Ashampoo Support
Bei umgekehrt inkrementeller Sicherung ist das neueste Backup also immer ein Voll-Backup.
Damit bleibt am Ende ein trauriges Fazit:
Adäquate Datensicherung auf Windows ist heute noch nicht möglich.